Das Projekt Linie 2

Der Gemeinderat der Stadt Ulm hat am 6. Mai 2015 den Ausbau der Straßenbahn durch eine zweite Linie beschlossen. Es handelt sich dabei um die größte Maßnahme der Verkehrsinfrastruktur in der Ulmer Geschichte.
Die künftige Linie 2, deren Fertigstellung bis Sommer 2018 erfolgen wird, verbindet die Wissenschaftsstadt auf dem Oberen Eselsberg mit dem Kuhberg. Sie bringt bedeutende Verbesserungen für mehr als 20.000 Anwohner, Beschäftigte, Schüler und Studenten, aber ebenso für die Stadt insgesamt.

Visualisierung Neutorstraße © Eder&Rupprecht Ingenieure

Der Bau der neuen Linie, inklusive Betriebshoferweiterung, erfordert Investitionen in Höhe von rund 216 Millionen Euro. Die Stadt Ulm muss – nach Abzug der zugesagten Fördermittel von Bund und Land rund 96 Millionen Euro selbst aufbringen.
Die Aufgabe der Planung und Umsetzung hat die Stadt Ulm der SWU Verkehr GmbH übertragen, die somit die Bauherrin des Vorhabens ist.

  • Neu zu bauen sind insgesamt neun Kilometer Gleise und 20 Haltestellen.
  • davon Neubaustrecke Ehinger Tor-Kuhberg: 2,5 Kilometer, Neubaustrecke Olgastraße-Science Park: 6,5 Kilometer
  • Der Betriebshof in der Ulmer Weststadt benötigt zusätzliche Kapazitäten für Straßenbahnwagen und wird deshalb erweitert.
  • Über die Bahngleise beim Kienlesberg wird eine 400 Meter lange ÖPNV-Brücke gebaut – nutzbar für Straßenbahnen, Busse, Fußgänger und Radfahrer. Sie wird vom SWU Gebäude aus in Richtung der Straße Beim Alten Fritz führen.

Weshalb eine Linie 2?

Der Großraum Ulm zählt zu den wachstumsstärksten Regionen in Deutschland. Das bringt die Notwendigkeit mit sich, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) weiter auszubauen.
Doch das bisherige System stößt bereits jetzt häufig an seine Grenzen, etwa in Richtung Kuhberg und Wissenschaftsstadt. Dort verkehren Busse heute schon zeitweise im Drei-Minuten-Takt. Gerade zu den Hauptverkehrszeiten sind sie häufig dennoch überfüllt.
Mit Blick auf das weiter ansteigende Fahrgastaufkommen setzen Stadt und SWU auf die Straßenbahn als die bessere Alternative. Der schließlich vom Ulmer Gemeinderat getroffene Beschluss für den Bau der neuen Trasse ist nach sorgfältiger Abwägung aller sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte erfolgt.
Die stellenweise komplexe Planung ist nicht nur technisch mach- und umsetzbar. Sondern sie ist für die Stadt ebenso wirtschaftlich. Und sie erfüllt die Prinzipien der Nachhaltigkeit. Denn die Straßenbahn nutzt regenerative Energiequellen: Sie wird komplett mit SWU NaturStrom betrieben.

Verbesserte Mobilität

Die Fahrtzeit vom Hauptbahnhof zur Wissenschaftsstadt verkürzt sich von derzeit 20 auf 14 Minuten. Vom Hauptbahnhof zum Schulzentrum auf dem Kuhberg sind künftig zehn statt bisher zwölf Minuten einzukalkulieren.
In Spitzenzeiten wird die Linie 2 sogar im Fünf-Minuten-Takt bedient.
Durch kurze Takt- und Umsteigezeiten steht die Linie 2 somit für schnelle und komfortable Verbindungen auf stark frequentierten Strecken: Direkt angebunden sind Bildungseinrichtungen, Kliniken, Betriebe und Wohngebiete mit einem Einzugsgebiet von 20.000 Menschen.
Alle 20 neu zu bauenden Straßenbahnhaltestellen werden barrierefrei gestaltet und ermöglichen den ebenerdigen Zugang zu den Straßenbahnwagen. Sie werden mit Blindenleitsystemen ausgestattet. Weil Niederflurfahrzeuge zum Einsatz kommen werden, ist der Einstieg für Rollstuhlfahrer, Senioren und Fahrgäste mit Kinderwagen, Fahrrad oder Gepäck problemlos möglich.

Ökologische Vorteile

Die Straßenbahn stößt keine Emissionen aus und trägt zum Klimaschutz bei. Denn sie fährt zu 100 Prozent mit regenerativem SWU NaturStrom aus dem Donau-Wasserkraftwerk Böfinger Halde. Damit erfüllt die Straßenbahn perfekt die Vorgaben eines nachhaltigen Verkehrskonzepts, das verstärkt auf regenerative Energiequellen setzt.
Beim Bremsen gewinnen die Straßenbahnen der aktuellen Generation Energie zurück und speisen diese wieder ins Netz ein. Dadurch und durch die geringen Rollwiderstände verbraucht eine Straßenbahn pro Personenkilometer weniger Energie als ein Bus.
Allein die jährliche Rückspeiseenergie aller heutigen zehn Combino-Straßenbahnen würde ausreichen, um mehr als 200 Mehr-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen.

Und der Lärm?

Eine moderne Straßenbahn verursacht nach Messungen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde ein Geräusch von cirka 53 Dezibel. Das entspricht in etwa der Lautstärke eines normalen Gesprächs. Für ein Auto liegt der Wert bei der gleichen Geschwindigkeit bei 70 bis 80 Dezibel.
Ein gutes Argument pro Straßenbahn ist, dass sie auch bei jenen punktet, die bislang den ÖPNV nur wenig oder gar nicht nutzen. Umfragen zufolge würde jeder dritte Autofahrer bei einem guten Tram-Angebot auf den ÖPNV umsteigen. Gelänge dies, würde dies den Straßenverkehr entlasten und Schadstoffemissionen reduzieren.
Prognosen gehen von 8.300 neuen Fahrgästen pro Tag aus.

Ökonomische Vorteile

Bei der standardisierten volkswirtschaftlichen Bewertung liegt die Linie 2 mit einem Wert von 1,16 klar im grünen Bereich. Das heißt, der wirtschaftliche Nutzen für die Stadt Ulm ist größer als der finanzielle Aufwand.
Zu den Vorteilen zählt, dass die Attraktivität von Wohn- und Gewerbestandorten entlang der Strecke steigt. Durch die Ansiedlung neuer Geschäfte und Einrichtungen verbessern sich die Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten für Anwohner.
Gewerbe und Einzelhandel entlang der Straßenbahntrasse profitieren von der verbesserten Mobilität der Kunden. Diese wiederum können Geschäfte entlang der Strecke schnell und bequem erreichen. Ulms Attraktivität als Wohn-, Kultur- und Wirtschaftsraum insgesamt nimmt zu.
Beispiel Wissenschaftsstadt: Mit Universität, Hochschule, Unikliniken und zahlreichen Unternehmen steht sie für mehr als 10.000 Menschen, die dort arbeiten oder studieren. Ein attraktiver ÖPNV ist für Viele ein Standortargument, aus dem sich weitere Impulse für den Ausbau der Wissenschaftslandschaft ergeben können.
Anders betrachtet: Die Weichen für den Ausbau des Science Park II sind gestellt, also werden die Fahrgastzahlen weiter steigen.

Die künftigen Straßenbahnfahrzeuge

Die künftigen Straßenbahnfahrzeuge Für den Betrieb der Linie 2 werden zwölf zusätzliche Straßenbahnen beschafft. Als Ergebnis einer Ausschreibung fiel die Wahl auf den Typ „Avenio M“ des Herstellers Siemens. Die Kosten sind mit 31,5 Mio. Euro veranschlagt, die in den Baukosten von 216 Mio. Euro noch nicht enthalten sind.
Die neuen Wagen entsprechen in ihren Maßen den aktuellen Combino-Straßenbahnen der Linie 1, unterschieden sich allerdings im Design.

 

 

Baustellen­beauftragte

Werner Reichert und Hans Hengartner sind telefonisch unter 0731 166 4466, per Mail unter info@linie2-ulm.de oder persönlich im Infomobil zu erreichen. Sprechzeiten