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13.06.2018 - Gleisbauarbeiten an der Linie 2

Gerüttelt und gestopft, nicht gerührt

Gleisbau ist Millimeterarbeit. Dazu wird der Schotter „gestopft“ - mit einer speziellen und recht mächtigen Maschine, wie in den vergangenen Tagen am Streckenast zum Oberen Eselsberg zu beobachten war.

Sie sind so selten wie ein Sechser im Lotto, sie sind recht auffallend, und sie machen Lärm: Nur drei Gleisstopfmaschinen fürs Schmalspurformat stehen in Deutschland zur Verfügung. Eine davon war kürzlich am Streckenast der Linie 2 am Eselsberg im Einsatz. Mit ihrer Hilfe werden die Gleise im Schotterbett exakt so positioniert im dreidimensionalen Raum, wie der Geometer es vorgesehen hat, millimetergenau. Das ist Voraussetzung dafür, dass die Straßenbahn später einmal gleichmäßig dahingleitet, also möglichst wenig wackelt und schaukelt.

33 Tonnen wiegt so eine Spezialmaschine, deren Maßstäbe aber auf den Filigranbereich ausgerichtet sind. An Bord sind daher jede Menge Instrumente. Die Messdaten werden immer von neuem aktualisiert, damit die recht zupackenden Werkzeuge passgenau arbeiten. Diese befinden sich im unteren Bereich des Monstrums zwischen seinen Achsen, werden hydraulisch betätigt und haben ziemlich viel Power zur Verfügung.

Da ist zum einen die Zange. Sie hebt die Gleise mitsamt der damit bereits verbundenen Schwellen auf die gewünschte Höhe an. Dann kommen die acht armdicken Stopfpickel dran, die paarweise an beiden Seiten der beiden Gleise angeordnet sind. Exakt zwischen den Schwellen bohren sie sich in Sekundenschnelle ins Schotterbett und bringen dieses zugleich zum Vibrieren. So rutscht der Schotter in den Hohlraum und wird zugleich verdichtet. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, geht’s ein kleines Stück weiter auf der Stecke - um genau 60 Zentimeter. Diese gibt der Schwellenabstand vor.

„Zwei bis drei Stopfgänge, in schwierigen Abschnitten auch mal vier“ über die volle Distanz seien nötig, bis die Gleise millimetergenau auf dem gewünschten Niveau - und gleichzeitig im richtigen Abstand zum Randstein - sitzen, erläutert Maschinenführer Karlheinz Schnepf.

Dazu muss man wissen, dass diese Gleise nach ihrer Montage erst einmal eine Handbreit zu tief liegen und mitunter noch etwas wellenförmig verlaufen. Das spielt fürs erste keine Rolle, denn Maschinenführer Schnepf und seine Crew mit ihrer Gleisstopfmaschine werden’s ja richten.

Ein Kilometer Gleisstrecke pro Tag

Etwa einen Kilometer Gleistrecke schaffen sie pro Tag, manchmal auch ein paar Steinwürfe mehr. Immer wieder legt diese ungewöhnliche „Lokomotive“ einen längeren Stopp ein. Derweil wird mit dem elektronischen Lasermessgerät nachgemessen, werden Ist- und Soll-Daten abgeglichen und die neu ermittelten ins System eingegeben. Kreidemarkierungen auf den Gleisen und an den Randsteinen verraten, dass viele Schritte notwendig sind, bis alles exakt passt.

Wenn sie am Eselsberg fertig sind, werden Schnepf und seine Kollegen Maik Wunderlich, Thomas Busch und Steffen Uhl nach Belgien weiterziehen, und von dort in die Schweiz, um danach wieder nach Ulm zurückzukehren, um sich um den Streckenast zum Kuhberg zu kümmern. Für ihre Firma Metrico, ansässig in Mühlacker, seien sie eigentlich das ganze Jahr „auf Achse“, erzählt der Maschinenführer bei einem kurzen Plausch. Berufliches Schicksal.

In einem Jahr könnte dann erneut Ulm ihr Einsatzort sein. Dann wird der finale „Belastungsstopfgang“ auf dem Programm stehen. Das Gleisbett sollte danach so stabil sein, dass es wenigstens zehn Jahre keiner Bearbeitung mehr bedarf.

Baustellen­beauftragte

Werner Reichert und Hans Hengartner sind telefonisch unter 0731 166 4466, per Mail unter info@linie2-ulm.de oder persönlich im Infomobil zu erreichen. Sprechzeiten

Momentaufnahme

Noch sind bei den Ausfahrten des Avenio „Anna Essinger“ keine Passagiere an Bord. Denn noch ist er im Probebetrieb. Dafür ist der Boden des nigelnagelneuen Straßenbahn-zuges beinahe komplett bedeckt mit Eisengewichten. 20 Tonnen schwer, entsprechen sie der maximal möglichen Zuladung plus ein paar Tonnen mehr - und dabei ungefähr dem „Übergewicht“, das der Konstruktion noch nichts anhaben darf und welches die Bremsen noch gut bewältigen müssen.

 

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Termine

24.10.2018, 15:00 Uhr

Universität Ulm: Infoveranstaltung

Zum Start der neuen Straßenbahnlinie 2 gibt es eine Infoveranstaltung an der Universität – speziell für diejenigen, die dort studieren oder arbeiten. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen.

 

08.12.2018, 12:00 Uhr

Inbetriebnahme

Weil der Bau der rund zehn Kilometer langen Straßenbahnlinie 2 für die Stadt Ulm ein Verkehrsvorhaben von herausragender Bedeutung ist, wird ihre Inbetriebnahme am Samstag, 8. Dezember 2018 daher gebührend gefeiert, bevor sie einen Tag später ihren regulären Fahrbetrieb aufnehmen wird.

Ulm baut um

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Großprojekten in Ulm